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Interview mit der wunderbaren Barbara Messer

Der zweite Blogbeitrag zum #Trainingfebruar ist ein absolutes Highlight, denn ich durfte Barbara Messer interviewen, aus meiner Sicht eine der großartigsten, innovativsten Trainer*innen. Schon auf meinem ersten Trainerkongress vor einigen Jahren, ich befand mich noch in der Ausbildung, war ich fasziniert von ihrer kreativen Leichtigkeit, die doch so viel Substanz hat. Und genau diese Mischung habe ich auch beim Interview wieder erlebt. Los geht es – viel Spaß!

Barbara Messer im Interview

Liebe Barbara,

Du bist schon sehr lange Trainerin und noch dazu eine der kreativsten und gleichzeitig professionellsten. Nicht nur das natürlich, Du bist auch Speakerin, Coach und Autorin, aber da es im Februar hier bei mir schwerpunktmäßig um das Thema Training geht, steht das auch bei diesem Interview im Vordergrund. Und bevor wir starten – ganz herzlichen Dank, dass Du Dich bereit erklärt hast, hier ein wenig zu erzählen! Es ist mir eine Ehre!

Mal ganz grundsätzlich gefragt: Was bedeutet gutes Training für Dich?

In dem Zusammenhang fällt mir folgender Satz ein: „Woran misst man Wissen? An Türen, die sich öffnen.“ Und so ähnlich ist es auch mit gutem Training. Gutes Training bietet immer einen Mehrwert – hinsichtlich Wissen oder Kompetenzen oder auch einen individuellen Mehrwert.Training ist eine Art Lernraum, in dem Menschen Impulse und Möglichkeiten bekommen, sich und ihr Wissen weiter zu entwickeln.

Und in einem Satz?

Gutes Training ist immer ein Zuwachs an Wissen, Kompetenzen und/oder Möglichkeiten.

Kann das immer gelingen? Was kann man tun, wenn etwas aus dem Ruder läuft?

Ja, ich denke, das kann immer gelingen, wenn der/die Trainer*in die entsprechende Haltung hat und über die nötigen Kompetenzen verfügt. Ich glaube sogar, dass der/die Trainer*in zu 90% die Verantwortung trägt und auch wenn der Raum schlecht ist oder die Gruppe schwierig, damit kann ein guter Trainer umgehen und dennoch einen Mehrwert schaffen. Sollte es dann doch mal „schwierig“ werden, mache ich bspw. eine sekundenschnelle Analyse. Und meistens liegt es eben in der Person des Trainers. Schwieriger ist es ja zum Beispiel, wenn die Teilnehmer zu einer Pflichtveranstaltung geschickt werden und wenig Interesse oder Lust haben. Oft genug verständlich, weil sie womöglich viele langweilige und langwierige Seminare hinter sich haben. Es ist wichtig, sich genau darauf einzustellen und Verständnis zu zeigen.

Mit einem WOW-Effekt kann man da auch dafür sorgen, dass doch die Motivation geweckt wird. Je exzellenter ein Training aufgebaut ist, je mehr mögen sich die Teilnehmenden darauf einlassen. Dazu gehört aber auch, dass der Trainer oder die Trainerin das Mandat für dieses Training, dieses Thema hat, dass er glaubwürdig ist und den Inhalt bzw. das Anliegen durchdrungen hat. Manches Mal spreche ich sogar von Meisterschaft. Als Geselle kann ich andere weniger beeinflussen oder inspirieren. Als Meister oder Meisterin schon. Das aber ist ein Weg dahin, wenn dieser gegangen ist, dann sind Trainer und Trainerinnen in der Lage, hochwertige, nachhaltige Trainings zu entwickeln und durchzuführen.

Du bist ja bekannt für außergewöhnliche Methoden und Interventionen. Warum liebst Du diese manchmal auch überraschende merk-würdige Art so?

In den ersten zehn Jahren habe ich hauptsächlich ein Thema aus dem Pflegebereich trainiert. Das war immer und immer wieder das gleiche. Also habe ich begonnen mir immer wieder etwas anderes zu überlegen, um es für mich interessant und nicht langweilig zu gestalten. Und ich habe mich gefragt: „Was mache ich heute mal anders?“ Und dann feilt man und wird immer besser.

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit dem berühmten Clown Edi aus dem Roncalli-Circus. Da ging es darum, dass manche Clowns lebenslang eine bestimmte Nummer haben. Sie entwickeln sie weiter, feilen daran. Und sie sorgen tagtäglich dafür, dass die Menschen diese Nummer lieben. Diese Haltung übertrage ich gerne ins Training. Nur wenn ich selber „noch“ an meinem Thema interessiert bin, wenn ich begeistert bin, dann begeistere ich andere. Das Gehirn möchte angeregt werden, es möchte etwas sinnvolles, im positiven Sinne aufregendes tun, dazu sind außergewöhnliche Methoden ein wertvoller Zugang, sie schließen Türen der Begeisterung auf, sie wühlen auf. Damit bleiben Lernereignisse in besonderer Erinnerung, im besten Sinne also merk-würdig.

Hat das auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun?

Nachhaltigkeit entsteht in erster Linie durch intensives Nach-Denken über die individuellen Lernziele und die Ausrichtung eines Trainings genau darauf. Das Trainingskonzept und alle Aktivitäten sollten an diese, an die Lernziele angepasst sein. Und dann sollte ein Trainer, eine Trainerin so flexibel sein und im Thema stehen, dass er/sie ein Training auf 2 Tage ausdehnen und ebenso auf 3 Stunden „konzentrieren“ kann. Ich habe da das schöne Bild vom „Befruchtungsmoment“ – wie Ei- und Samenzelle in einer Sekunde ein neues Leben anlegen, so kann auch ein richtiger Gedanke im richtigen Moment große Auswirkungen haben. Die Frage ist also: „Was passiert mit den Menschen in diesem Setting?“ Außerdem ist natürlich noch wichtig, um welches Format es sich handelt – ein Workshop oder ein Fachtraining. Da gibt es natürlich unterschiedliche Möglichkeiten und Ziele.

Persönlichkeit – wichtiger als Know How oder Methodenkompetenz? Oder alles Zutaten zu einem/r erfolgreichen Trainer*in?

Die Persönlichkeit ist aus meiner Sicht der Hauptfaktor – ähnlich, wie es auch für Lehrer gilt. Die persönliche Haltung ist sehr wesentlich, dann kommen Design und Dramaturgie und dann die Methoden. Aber hauptsächlich wirkt der/die Trainer*in durch sich selber. Dazu kommt die Frage des Mandats. Welche Berechtigung hat er oder sie, dieses Thema zu trainieren? Und wie tief ist es wirklich erschlossen? Welche Referenz, Erfahrung und Kompetenz berechtigt ihn/sie, diese Thema zu trainieren, bzw. zu dozieren?

Du bist ja ein echtes Multitalent, das vor Energie und Ideen sprudelt – woher nimmst Du Kraft und Inspiration?

Ich habe schon seit meiner Jugend immer mehrere Sachen gleichzeitig gemacht: Kunst, Sport, Theater. Theater am konsequentesten. Ich finde immer wieder Modelle, also andere Menschen, von denen ich lernen möchte. Ich schaue, was ich evtl. übernehmen und adaptieren kann. Oder wo ich neue Impulse bekomme, die für Vorträge oder Trainings interessant sein können. Konsequent bilde ich mich weiter, suche mir neue Herausforderungen, um zu wachsen und etwas Neues für mich zu entdecken. Das ist eine Art persönliches Training. Und ganz wichtig, ich liebe meine Arbeit.

Ich habe immer viele Ideen. So bin ich vom Typ, oft sprudelt es einfach so aus mir heraus. Meine Arbeit mit ihren ganz verschiedenen Phasen plane ich recht gut, denn ich weiß, in welcher Stimmung ich welchen Output am besten erarbeiten kann, wann ich Routine-Tätigkeiten mache und wann die beste Zeit für Kreativität oder auch Planung ist. Manchmal sammle ich Ideen beim Mittag kochen oder auch beim Sport. Außerdem rede ich viel mit anderen Menschen. Ich glaube, die verschiedenen Bereiche befruchten sich gegenseitig.

Was würdest Du der jungen Version von Dir und vielleicht auch anderen angehenden Trainern raten?

Fleiß, Disziplin und tiefe Freude – gepaart mit Neugier! Fundierte Ausbildungen, weiterlernen – Dran bleiben! Auch schwierige Situationen nicht vermeiden, immer weitermachen. Sich Modelle suchen, an denen man sich orientiert. Bescheidenheit und Demut sind ebenso wichtig wie Selbstakzeptanz und Stolz. Ich bin zum Beispiel froh, dass es sich bei mir so entwickelt und mich der Erfolg nicht überrollt hat.

Und nun abschließend: Was rätst Du einem Unternehmen, wie findet man einen guten Trainer, der zu einem passt?

Am besten für beide Seiten sind Empfehlungen. Sonst würde ich mir die Referenzen anschauen und den Werdegang. Ich würde versuchen, bei einem Telefonat einen Eindruck zu gewinnen. Hier kann der Trainer, die Trainerin gleich erste Ideen nennen oder auch so etwas wie eine erste kurze Analyse machen. Hier erfahren die Ansprechpartner von Unternehmen, wie „tief“ der Trainer, die Trainerin im Thema steht. Ich mache auch die Erfahrung, dass Preise und Auszeichnungen immer wichtiger werden. Sie sind eine Art nachweisbare Qualität.

Ganz ganz herzlichen Dank noch einmal für dieses Interview, liebe Barbara, und ein wunderbares 2018 für Dich. Bis bald auf dem Trainerkongress!