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Im Interview: Lektorin Jutta Hörnlein

Die Veröffentlichung unseres Buches Abenteuer Wandel – Ihr Coachingleitfaden für den Change-Prozess steht kurz bevor und was liegt da näher, als einmal unsere Lektorin bei Wiley-VCH Verlag zu Worte kommen zu lassen. Viel Spaß mit diesem Interview!

Liebe Frau Hörnlein, schön und danke, dass Sie sich bereit erklärt haben, ein paar Fragen für die Leser meines Blogs zu beantworten. Sie sind Lektorin und als erstes meine Frage: Was bedeutet das eigentlich genau? Wir wissen ja nun aus eigener Erfahrung, dass es weit mehr umfasst als ein besonderes „Korrektur lesen“. Erzählen Sie doch mal!

 Als Lektorin betreut man ein Buchprojekt im Grunde von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung. Es gehört also genauso die Akquise des Autors dazu wie auch später die Arbeit am Manuskript. Diese Manuskriptarbeit umfasst mehr als nur die Suche nach Rechtschreibfehlern. Klar, das macht man mit, aber es geht dabei vielmehr um die Prüfung des Textes hinsichtlich Struktur, Aufbau, Verständlichkeit und Sprachstil. Man ist quasi der Erstleser. Wenn ich als Lektorin etwas nicht verstehe oder Textteile überflüssig finde, wird es dem Leser später auch so ergehen. Da muss ich dann ran und korrigieren bzw. mich mit den Autoren abstimmen. Lektoratsarbeit ist auch immer eine enge Kommunikation mit den Autoren. Man muss als Lektor also auch „mit Menschen können“, d. h. sich immer wieder auf neue Menschen einstellen, denn jeder Autor tickt ja auch anders.

 Wollten Sie immer Lektorin werden oder hat es sich eher ergeben? Welche Ausbildung/ Studium sollte man haben und welche besonderen Eigenschaften?

 Es klingt ein bisschen klischeehaft, aber ich mochte schon immer Bücher, und mal etwas beruflich damit zu tun zu haben, war und ist eine Art Traumjob für mich. Es hätte natürlich auch etwas anderes im Verlag sein können, aber durch ein Volontariat im Anschluss an mein Studium der Medienwissenschaften hat sich das so ergeben. Die Arbeit im Lektorat hat mir gefallen und ich bin dabeigeblieben.

Wie lange beschäftigen Sie sich in der Regel mit einem Buchprojekt? Welche Phasen sind am intensivsten und welche machen Ihnen besonders viel Spaß?

Wenn man alles mitrechnet (also von Akquise bis zum Erscheinen des Buches), dann ist das durchschnittlich ein gutes Jahr. Am intensivsten ist in der Tat die Phase der Arbeit am Manuskript, weil ich hier dann wirklich richtig tief eintauche. Wenn das Buch gut geschrieben und spannend ist, dann macht mir das auch am meisten Spaß. Ich mag an meinem Job aber auch definitiv den kommunikativen Aspekt. Nur still über einem Text zu brüten, wäre auch nichts für mich. Ich finde gut, dass man als Lektor ständig in Kontakt mit dem Autor, den Marketingkollegen oder den Kollegen aus dem Bereich Herstellung ist.

Gibt es im Laufe der Zeit „Lieblingsbücher“ oder Projekte, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind? Und woran lag das?

Ja, die gibt es. Und das lag zum einen an der angenehmen und konstruktiven Zusammenarbeit mit den entsprechenden Autoren. Und zum anderen gibt es immer auch mal wieder Bücher, die mich thematisch persönlich besonders angesprochen haben. Dann nimmt man für sich dann auch noch was mit, wenn man am Text arbeitet. Das finde ich toll. 

Haben sich die Aufgaben/ Herausforderungen in den letzten Jahren verschoben? Können Sie auch in Bezug auf Ihren Job einen Wandel erkennen?

Die Aufgaben weniger, die Herausforderungen schon etwas, da der Buchmarkt in den letzten Jahren schon etwas schwieriger geworden ist. Da müssen wir bei der Auswahl und Akquise von Projekten noch einmal genauer hinsehen, was wir publizieren. Wir haben den Fokus hier immer mehr in Richtung praxisorientierte Tool-Bücher gelegt. Also Bücher, die dem Leser wirklich Nutzen bieten, die er also wirklich braucht und dann auch kauft. Außerdem suchen wir verstärkt nach Autoren, die uns auch in puncto Zielgruppenerreichung und Marketing als starke Partner zur Seite stehen.

Warum würden Sie jemandem unser Buch empfehlen?

Weil es genau den oben angesprochenen Nutzen bietet. Und weil es auch kein typisches Buch zu Change Management ist. Es ist keine allgemeine Auseinandersetzung mit Change, sondern eine Art Coaching, das heißt der Leser wird durch Impulse, Fragen und Aufgaben durch den Change-Prozesses geführt. Damit bekommt er kein Patentrezept, sondern er wird in die Lage versetzt, den für sich individuell richtigen Weg zu finden und so den Change aktiv zu meistern. Das Buch ist also, wenn man so will, schon fast ein Arbeitsbuch. Das gefällt mir.

Ganz herzlichen Dank und viel Freude weiterhin bei dieser interessanten und spannenden Arbeit!

Aus der Reihe Interviews:

Thomas Fitzel zum Schreiben im Duo

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