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Visualisierung Glaubenssatz sei perfekt

Veränderungsfähigkeit und Glaubenssätze

Ob ein Change-Prozess gelingt, hängt von vielen Komponenten ab. Es gibt zahlreiche Erfolgsfaktoren, Hilfsmittel und Methoden. Ganz zentral ist allerdings auch der Mensch, insbesondere die Führungskraft, ihre Fähigkeiten und die eigene Einstellung zu Veränderung. Ich habe das Thema Glaubenssätze bereits im Zusammenhang mit Nachwuchsführungskräften behandelt, heute geht es um den Einfluss auf die Veränderungsfähigkeit.

Was sind Glaubenssätze?

Glaubenssätze sind innere Überzeugungen, die sich meist schon in der Kindheit manifestieren. Sie haben die viel mit unserer Erziehung zu tun und sind oft unreflektiert übernommen werden. Dabei gibt es fünf klassische Glaubenssätze, die Sie in jeder Literatur zur Persönlichkeitsentwicklung auch unter dem Stichwort “Antreiber” finden. Es sind die Folgenden:

  • „Sei stark! Denn nur wenn Du stark bist, bist Du wertvoll.“
  • „Sei gefällig! Nur, wenn Du es allen recht machst, wirst Du geliebt.“
  • „Mach schnell! Denn nur wenn Du zügig vorankommst, bist Du wirklich gut.“
  • „Sei fleißig! Denn nur fleißige Menschen haben Erfolg verdient.“
  • „Sei perfekt! Fehler zu machen, bedeutet eine Schwäche.“

Die Ausprägung dieser Antreiber ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark und bis zu einem gewissen Grad sehr nützlich, denn sie motivieren uns, uns selbst zu übertreffen. Glauben wir aber, nur dann etwas wert zu sein, wenn wir IMMER fleißig oder IMMER gefällig usw. sind, kostet das auf Dauer nicht nur die Gesundheit sondern Tag für Tag wertvolle Energie. Ein weiteres Problem kann auftauchen, wenn zwei sich eigentlich konkurrierend gegenüberstehende Antreiber verstärkt ausgeprägt sind. Perfekt und schnell passen nicht wirklich gut zusammen. Ein zehrendes Spannungsfeld entsteht. Ich kann wärmstens empfehlen, sich einmal mit seinen eigenen Antreibern vertraut zu machen und dem einen oder anderen von ihnen unter bestimmten Umständen auch einen Erlauber zur Seite zu stellen. Was hat das aber nun mit Veränderungsfähigkeit zu tun?

Sei perfekt!

Schauen wir uns zwei der klassischen Antreiber nun einmal im Bezug auf die Veränderungsfähigkeit an:

Visualisierung Glaubenssatz sei perfekt als Hindernis für Veränderungsfähigkeit

Die Überbetonung des Antreibers “Sei perfekt!” bedeutet in der Praxis eine ganz akribische Arbeitsweise und/oder ein mehrfaches Überarbeiten einer Aufgabe, mit der die Person am Ende trotzdem nicht zufrieden ist. Diese Tatsache verzögert den Prozess und insbesondere das Umsetzen. Und das, obwohl Kollegen, Vorgesetzte oder Kunden die vermeintlichen Mängel meist nicht einmal auffallen. Gerade bei einem steigenden Veränderungsdruck ist es aber wichtig, einfach einmal loszugehen.Auch wenn noch nicht alles perfekt scheint.

Was kann der/die Perfektionist*in also tun? Eine Faustregel besagt, dass 80% Fertigstellung/ des Anspruches/ der eigentlichen Zielsetzung meist ausreichen, um loszulegen. Auch der Grundsatz “Better done than perfect!” geht in diese Richtung. Ansonsten läuft das Projekt Gefahr, niemals oder zu spät umgesetzt zu werden. Das kann wiederum einen erheblichen Wettbewerbsnachteil oder ein grundsätzliches Scheitern der Idee zur Folge haben.nUND: Eine Verbesserung, hin zu perfekt, kann immer noch einmal vorgenommen werden.

Sei gefällig!

Visualisierung Glaubenssatz Sei gefällig als Hinderungsgrund für VeränderungsfähigkeitAuch ein zu stark ausgeprägter Antreiber von “Sei gefällig!” kann sich negativ auf die Veränderungsfähigkeit auswirken. Oft hat Veränderung (privat und im Business) auch etwas mit anderen Menschen zu tun. Ein Lieferant wird gewechselt (“Was denkt der Gekündigte jetzt von mir?”), Arbeitsplätze werden neu definiert (“Der Max ist bestimmt ärgerlich auf mich, wenn er jetzt immer Protokoll schreiben muss, das mag er nämlich gar nicht gern..”), die eigenen Arbeitszeiten ändern sich für eine Weile (“Was wird mein Partner und meine Familie sagen? Nicht, dass die beleidigt sind.”) usw. Wenn jedoch all diese Zweifel und Stimmen ernst genommen werden, stagniert genau wie beim Perfektionisten der Veränderungsprozess ODER die beschrieben Person bürdet sich selbst so viel auf und versucht zwischenmenschliche Ausgleiche zu finden, dass sie sich über kurz oder lang selbst überfordert.

Wie kann sich der/die Gefällige helfen? Nun, grundsätzlich hilft, sich bewusst zu machen, dass es nicht allen Menschen recht gemacht werden kann. Eventuell hat eine Nicht-Veränderung zur Folge, dass das ganze Projekt gefährdet ist. Hier ist die Frage, wem das helfen würde, und ob nicht viel mehr Menschen dann von den negativen Auswirkungen betroffen sind. Im schlimmsten Falle könnte es sogar Entlassungen zur Folge haben. UND ganz wichtig: Sie selbst sind sich der/die nächste. Gerade Unternehmer*innen oder Führungskräfte sollten sich bei einem solchen Antreiber an die Sachebene erinnern und ihren Auftrag/ ihrer Idee: Besteht die Aufgabe darin, andere glücklich zu machen? Oder eine Sache voranzubringen? Ein größeres Ziel zu verfolgen?

Weitere wichtige Glaubenssätze in Verbindung mit Veränderungsfähigkeit

Neben diesen klassischen inneren Glaubenssätzen kann es eine Vielzahl weiterer Überzeugungen geben, die einen bei bestimmten Vorhaben ausbremsen. Sie besitzen oft die Stimme einer bekannten Person aus Kindertagen. Das können Eltern, Großeltern, Erzieher oder Trainer sein. Sätze wie „Never change a running system“, „Schuster bleib bei Deinen Leisten“ oder „Das liegt bei uns in der Familie im Blut. Das war schon immer so!“ können sich in unser Unterbewusstsein eingeschlichen haben. Dort bilden sie eine innere, meist unbewusste Blockade gegenüber unterschiedlicher Art von Veränderung, beeinflussen unsere Haltung und erschweren das Handeln. Sehr häufig sind sie auch bei einzelnen Mitarbeitern oder in der gesamten Unternehmenskultur zu finden. Hier lohnt sich unbedingt ein Blick in die Historie des Unternehmens!

Schauen Sie doch einmal, welche Glaubenssätze Sie antreiben bzw. Sie am offenen Umgang mit der Welt einschränken. Wenn Sie sich dabei Unterstützung (klick) wünschen, helfe ich (klick) Ihnen gerne. Sehr häufig stoße ich bei Coachings irgendwann auf dieses Thema und ein großer AHA-Effekt, gefolgt von mehr Leichtigkeit im Umgang mit den Herausforderungen setzt ein. Für einen ersten Vorgeschmack auf die einzelnen Antreiber und mögliche “Erlauber” habe ich Ihnen eine kleine Übersicht zusammengestellt. Diese finden Sie hier (klick).